Eine Frau schlägt einem Migranten in der U-Bahn eine Weinflasche über den Kopf. Die Frau ist Dolmetscherin in einer Asylbehörde. Im anschließenden Polizeiverhör versucht sie zu erklären, was sie zu dieser Tat getrieben hat. Während sie spricht, offenbart sich ihre Zerrissenheit zwischen Empathie und Abwehr, Überforderung und Wut, Wahrheit und Lüge.
Ausgangspunkt ist der Roman „Erschlagt die Armen!“ von Shumona Sinha, der seinerseits auf ein Prosagedicht von Charles Baudelaire zurückgeht.
Was geschieht mit Menschen, die vor Armut, Perspektivlosigkeit und existenzieller Not fliehen? Wer hat Anspruch auf Schutz? Wem wird geglaubt? Und welche Verantwortung tragen wir für Menschen, deren Lebensumstände wir kaum kennen?
Armut allein ist kein anerkannter Asylgrund. Doch wo verlaufen die Grenzen zwischen wirtschaftlicher Not, existenzieller Bedrohung und dem Recht auf Schutz? Hinter diesen Fragen stehen persönliche Schicksale, gesellschaftliche Erwartungen und ein System, in dem Worte und Entscheidungen weitreichende Folgen haben.
Die öffentliche Debatte über Migration ist zunehmend von Vereinfachungen, gegenseitigen Zuschreibungen und verhärteten Positionen geprägt. Mit „Erschlagt die Armen!“ möchten wir die Fragen, Widersprüche und unterschiedlichen Haltungen wieder in einen offenen Austausch bringen.
Ein Theaterabend über Armut, Flucht und das gesellschaftliche Spannungsfeld zwischen Eigenverantwortung, Mitgefühl und Solidarität.